LLC in Kalifornien

$800 Mindeststeuer, bis zu 13,3 % State Tax – der teuerste Bundesstaat für US-Gründer. Für deutsche Wegzügler mit Inlandsvermögen kann sich das „teure" Kalifornien zum echten Steuervorteil entwickeln.

Auf einen Blick

Teuerster Staat: $800 Mindest-Franchise-Tax pro Jahr, zusätzliche LLC Fee ab $250.000 Umsatz, State Income Tax bis 13,3 %.
Kein § 2 AStG-Risiko: Die hohe State Tax überschreitet die Niedrigsteuerschwelle. Deutschland besteuert nicht zehn Jahre nach.
Community Property: Kalifornien ist ein Gütergemeinschafts-Staat. LLC-Gewinne gehören während der Ehe beiden Ehepartnern.
Der Geheim-Tipp: Wer deutsche Einkünfte behält, kann in Kalifornien unter dem Strich weniger zahlen als in Florida – trotz höherer State Tax.

Kalifornien ist der teuerste Bundesstaat für Unternehmer: $800 Mindeststeuer ab dem ersten Tag, bis zu 13,3 % Einkommensteuer, zusätzliche Gebühren ab $250.000 Umsatz. Für US-Gründungsservices ist Kalifornien der Staat, den man nicht empfiehlt.

Für deutsche Unternehmer kann genau diese hohe Steuerbelastung ein Vorteil sein. Der Grund heißt § 2 AStG – und er dreht die Rechnung um.

Dieser Beitrag zeigt, warum Kalifornien trotz seiner Kosten in bestimmten Konstellationen der bessere Standort ist – und wo die Grenzen liegen.

Kalifornien LLC: Kosten und Steuerstruktur

Position Betrag
Gründung (Articles of Organization) $70
Franchise Tax (Minimum) $800/Jahr – unabhängig vom Umsatz oder Gewinn
LLC Fee (umsatzabhängig) $900 (ab $250.000) bis $11.790 (ab $5 Mio. Umsatz)
Statement of Information $20 (alle 2 Jahre)
Registered Agent $50–150/Jahr
State Income Tax (Personen) 1 % bis 13,3 % (progressiv, ab ~$1 Mio.)
Gesamt (kleine LLC, laufend) ca. $870–1.000/Jahr

Zum Vergleich: Wyoming kostet ca. $110/Jahr, Texas ca. $50, Florida ca. $200. Kalifornien ist mit Abstand der teuerste Bundesstaat für Unternehmer – sowohl bei den Fixkosten als auch bei der laufenden Steuerbelastung.

$800 ab dem ersten Tag

Die Mindest-Franchise-Tax von $800 fällt im ersten Geschäftsjahr an – auch wenn die LLC noch keinen Umsatz erzielt hat. Ausnahme: Für LLCs im Gründungsjahr galt bis 2023 eine temporäre Befreiung, die inzwischen ausgelaufen ist. Ab dem zweiten Jahr gilt die $800-Mindeststeuer ohne Ausnahme.

Die kalifornische LLC Fee: Umsatzbasierte Zusatzsteuer

Neben der Franchise Tax erhebt Kalifornien eine zusätzliche LLC Fee, die auf dem Bruttoumsatz aus kalifornischen Quellen basiert:

Umsatz (Kalifornien-Quellen) LLC Fee
Unter $250.000 $0
$250.000 – $499.999 $900
$500.000 – $999.999 $2.500
$1.000.000 – $4.999.999 $6.000
Ab $5.000.000 $11.790

Die LLC Fee ist umsatzbasiert, nicht gewinnbasiert. Auch ein verlustbringendes Unternehmen mit hohem Umsatz zahlt die Fee. Sie kommt zusätzlich zur Franchise Tax von $800 und zur persönlichen Einkommensteuer.

Der Geheim-Tipp: Warum hohe Bundesstaatsteuern ein strategischer Vorteil sein können

Für US-Gründungsservices ist Kalifornien ein klarer Nachteil. Für deutsche Unternehmer mit Vermögen in Deutschland kann das Gegenteil gelten.

Der Mechanismus: Deutschland prüft bei jedem Wegzug, ob der neue Wohnsitz in einem Niedrigsteuergebiet liegt. Die Schwelle liegt bei etwa einem Drittel der deutschen Steuerbelastung. Bei Bundesstaaten ohne Einkommensteuer – Florida, Texas, Wyoming – ist diese Schwelle regelmäßig unterschritten. Deutschland besteuert dann bestimmte Einkünfte bis zu zehn Jahre weiter.

Kalifornien mit bis zu 13,3 % State Tax liegt über dieser Schwelle. Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG greift nicht.

Vergleich

Unternehmer A – Florida: 0 % State Tax. § 2 AStG greift. Deutschland besteuert GmbH-Ausschüttungen, Kapitalerträge und Mieteinnahmen zehn Jahre weiter. Der Progressionsvorbehalt treibt den deutschen Steuersatz auf bis zu 42 %.

Unternehmer B – Kalifornien: Bis zu 13,3 % State Tax. § 2 AStG greift nicht. Die deutschen Einkünfte unterliegen nicht der erweiterten beschränkten Steuerpflicht. Die State Tax wird in den USA gezahlt – aber die deutsche Nachbesteuerung entfällt.

Die konkreten Auswirkungen hängen vom Einzelfall ab – insbesondere von der Höhe der deutschen Einkünfte und der Gesamtsteuerbelastung in den USA.

Der Geheim-Tipp: Wer erhebliche deutsche Einkünfte behält – GmbH-Beteiligungen, Immobilien, Kapitalvermögen – kann in Kalifornien unter dem Strich weniger zahlen als in Florida. Die höhere State Tax wird durch den Wegfall der deutschen 10-Jahres-Nachbesteuerung kompensiert.

Ausführlich: § 2 AStG – Die 10-Jahres-Nachhaftung für deutsche Wegzügler

Community Property: Kalifornien ist Gütergemeinschafts-Staat

Wie Texas ist Kalifornien ein Community Property State. Vermögen, das während der Ehe erwirtschaftet wird, gehört automatisch beiden Ehepartnern zu gleichen Teilen.

Für LLC-Inhaber bedeutet das:

  • LLC-Gewinne sind Community Property, auch wenn nur ein Ehepartner die LLC führt.
  • Die Wertsteigerung der LLC während der Ehe gehört zur Hälfte dem anderen Ehepartner.
  • Bei einer Scheidung hat der Ehepartner Anspruch auf 50 % des während der Ehe aufgebauten Vermögens.

Florida, Wyoming und Delaware sind keine Community Property States. Die Bundesstaat-Wahl ist daher nicht nur eine Steuerfrage, sondern auch eine familienrechtliche Entscheidung.

Der doppelte Papierkrieg: FTB vs. SOS

Kalifornien trennt strikt zwischen Gesellschaftsrecht (Register) und Steuerrecht. Das führt zu zwei verschiedenen Behörden, zwei Formularen und unterschiedlichen Fristen. Ein Versäumnis bei einem der beiden führt zum „Not in Good Standing"-Status.

Behörde Formular Frist / Turnus Kosten
Franchise Tax Board (FTB) Form 568 Jährlich (15. April) Berechnet die Steuer ($800 + LLC Fee)
Secretary of State (SOS) Statement of Information (LLC-12) Initial (90 Tage) + alle 2 Jahre $20
IRS (Bund) Form 5472 (Strafe: $25.000) Jährlich
Finanzamt (DE) § 138 AO (Strafe: bis zu 25.000 €) Bei Gründung
Kontenmeldung FBAR (bei DE-Konten > $10.000) Jährlich

1. Die Steuererklärung (Form 568)

Jede in Kalifornien registrierte LLC muss jährlich das Form 568 einreichen – auch wenn sie keinen Gewinn gemacht hat. Hier wird die LLC Fee berechnet, die auf dem Bruttoumsatz (Gross Receipts) basiert, nicht auf dem Gewinn.

  • Umsatz unter $250.000: Nur $800 Minimum Tax.
  • Umsatz $250.000–$499.999: $800 + $900 Fee.
  • Staffelung steigt bis max. $11.790 Fee.

2. Der Register-Bericht (Statement of Information)

Anders als in den meisten Staaten ist der Register-Bericht in Kalifornien nach der Erstmeldung nur alle zwei Jahre (biennial) fällig.

  • Frist: Bis zum Ende des Gründungsmonats.
  • Achtung: Trotz des 2-Jahres-Turnus müssen Änderungen (z.B. neuer Manager, neue Adresse) sofort zwischengemeldet werden.
Zwei Behörden, zwei Fehlerquellen

Mandanten denken oft, mit dem „Annual Report" sei alles erledigt. Einen Annual Report im klassischen Sinne gibt es in Kalifornien nicht. Es gibt die Steuererklärung (Form 568, jährlich, FTB) und den Register-Bericht (Statement of Information, alle 2 Jahre, SOS). Wer nur eines von beiden erledigt, verliert den „Good Standing"-Status.

Kalifornien LLC im Bundesstaaten-Vergleich

Kriterium Kalifornien Florida Texas Wyoming
State Income Tax bis 13,3 % 0 % 0 % 0 %
Jahreskosten LLC ~$870 ~$200 ~$50 ~$110
§ 2 AStG-Risiko ✅ Gering ✖ Hoch ✖ Hoch ✖ Hoch
Community Property ✖ Ja ✅ Nein ✖ Ja ✅ Nein
LLC Fee / Margin Tax $900–$11.790 (umsatzbasiert) Keine 0,375–0,75 % ab $2,47 Mio. Keine

Für wen eine Kalifornien LLC in Betracht kommt

  • Operatives Geschäft in Kalifornien (Los Angeles, San Francisco, Silicon Valley)
  • Erhebliche deutsche Einkünfte verbleiben (GmbH, Immobilien, Kapitalvermögen)
  • Die 10-Jahres-Nachbesteuerung nach § 2 AStG die State Tax übersteigen würde
  • VC-Finanzierung geplant (Kalifornien ist der natürliche Standort für Tech-Startups)
  • Community Property ehevertraglich geregelt
Nexus-Warnung

Wer in einem anderen Bundesstaat gründet, aber Kunden, Mitarbeiter oder Aktivitäten in Kalifornien hat, erzeugt dort einen wirtschaftlichen Nexus. Kalifornien kann dann Steuern erheben – unabhängig vom Gründungsstaat. Wer in Kalifornien lebt und arbeitet, hat den Nexus automatisch. Die Gründung in einem anderen Staat schützt nicht vor der kalifornischen Steuerpflicht.

Fazit: Kalifornien ist teuer – aber nicht immer der teurere Staat

Kalifornien ist der Bundesstaat mit den höchsten LLC-Kosten in den USA. Für Unternehmer ohne deutsche Vermögenswerte ist das ein klarer Nachteil. Für deutsche Wegzügler mit GmbH-Beteiligungen, Immobilien oder Kapitalvermögen in Deutschland sieht die Rechnung anders aus.

Die Entscheidung für oder gegen Kalifornien ist keine Frage der Gründungskosten. Sie ist eine Frage der Gesamtbelastung – über beide Steuersysteme, über zehn Jahre.

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